Warum Stress unsere Leistung nicht erhöht.

Schon seit einigen Jahren ist Stress ein fester Bestandteil in unserem Alltag. Arbeitsstress, Zeitstress, Familienstress und Prüfungsstress. Alleine die hohe Frequenz, in der wir diesen Begriff verwenden, zeigt seine Bedeutung. Jedoch verschwimmt umso mehr das Wissen und die gemeinschaftliche Interpretation des Wortes „Stress“.

Mit Stress reagiert das vegetative Nervensystem auf diverse Herausforderungen. Meldet ein Rezeptororgan, wie z. B. das Auge, einen als „Gefahr“ eingestuften Reiz, so stellt der Körper sich in Sekundenschnelle auf Hochleistung ein. Es wird das Hormon Adrenalin freigesetzt. Der Blutdruck steigt, die Bronchien erweitern sich und die Herzfrequenz wird erhöht. Parallel dazu strömt Cortisol, in den Blutkreislauf und senkt die Belastbarkeit des Immunsystems und den Blutzuckerspiegel.

Gemeinsam steigern sie kurzfristig die Leistungsfähigkeit, verursachen aber langfristig erheblichen Schaden auf physischer und psychischer Ebene. In der heutigen Leistungsgesellschaft, reagiert der menschliche Körper immer noch mit der gewohnten „Fight or Flight“-Methode auf Herausforderungen auf die man weder mit Flucht noch mit Kampf reagieren kann.

In Prüfungssituation wird es deutlich. Das Adrenalin mag geistige Leistung unterstützen, doch die verschwitzten Hände und der Drang bloß schnell fertig zu werden sind lediglich überflüssig, wenn nicht hinderlich.

Trotzdem bleibt die Belastung für Körper und Geist, welche auf Dauer Erkrankungen verursacht, die Leistungsfähigkeit senkt, einen ungesunden Lebensstil unterstützt und sogar einen Burn-out verursachen kann. Die Folgen sind vielseitig und schwer zu isolieren, da sie unter Stress in jeden Lebensbereich zu finden sind. Als Resultat, ist es für die Meisten Menschen nicht leicht die richtigen Präventionsmaßnahmen zu treffen, oder aktiv mit der Stressbewältigung anzufangen.

Am häufigsten veranlassen Faktoren wie zu viel Arbeit, Termindruck, Unterbrechungen/Störungen, mangelnde Anerkennung oder Informationsüberflutung das Nervensystem dazu mit Hormonen zu reagieren. So oft wie die einfache Reduktion dieser Stressoren eine Lösung bietet, sind weit aus tiefer greifende Methoden und Therapieansätze notwendig. Für ein effektives Stressmanagement ist das richtige Verständnis der Problematik essenziell. Sie findet auf vier Ebenen im ganzen Körper statt.

1. Kognitive Ebene

ie äußert sich bei den meisten Menschen durch Gedächtnislücken, Wortfindungsstörungen, Denkblockaden, Rigidität („Scheuklappenblick“), Black-outs oder Selbstvorwürfen.

2. Emotionale Ebene

Hier reagieren Betroffene häufig mit extrem nervösen, gereizten, ängstlichen, verunsichertem, niedergeschlagenen oder sogar apathischen Verhalten.

3. Vegetativ- hormonelle Ebene

Wie oben bereits erwähnt, erhöht sich der Blutdruck, die Herzfrequenz steigt, das Immunsystem wird schwächer und die Verdauung nimmt ab. Dies äußert sich direkt in Schwitzen, Rötungen, kalten Extremitäten, trockenem Mund, Herzklopfen oder häufigen Krankheitserscheinungen.

4. Muskuläre Ebene

Durch die ständige Bereitschaft des Körpers auf einen Kampf oder eine Flucht, ist die Muskulatur ständig angespannt. Das führt zu Verspannungen, Sehnenverkürzungen, Inflexibilität, Rückenschmerzen und Kopfschmerzen die sich bis zu Migräneattacken entwickeln können.

Da die Reaktionen auf den einzelnen Ebenen je nach Mensch eben so unterschiedlich ausfallen wie das Empfinden der Stressoren, ist die mentale Einstellung den Stressoren gegenüber entscheidend.

Laut einer Studie der Stanford Universität in den Vereinigten Staaten, haben Menschen mit erhöhtem Stressniveau, die sich nach eigener Aussage als stark gestresst empfinden, im Vergleich zu ihren Kollegen mit demselben Stressniveau aber gering empfundenem Stress ein 50% höheres Sterberisiko.

Um messbare Ergebnisse und eine langfristige Verbesserung im Umgang mit Stress zu erlangen, ist eine Istwert-Analyse notwendig. Auf der Rückseite des Newsletters finden Sie einen Fragebogen, welchen Sie gerne kopieren können, abgedruckt mit dem Sie Ihr persönliches Stressbelastung und Ihre größten Stressoren ermitteln können. Um eine Verbesserung feststellen zu können, sollten Sie den Test monatlich wiederholen.

Wer langfristig den Folgen von übermäßigen Stress vorbeugen und sie bekämpfen möchte, ist auf sein Umfeld angewiesen. Auch wenn viele Stressoren erst von unseren Assoziationen und Gedanken zu welchen gemacht werden, finden viele ihren Auslöser in der Umwelt.

Dazu ist eine effektive Kommunikation mit Familie und Arbeitsumfeld gefragt. Sollten Sie Anzeichen wie dauernde Nervosität, Angstzustände, Erschöpfung, Reizbarkeit und Verspannung verspüren teilen Sie es offen mit Fragen Sie nach Entlastungen, Arbeitshilfen oder konkret um das Verschieben von Fristen. Bitten Sie auch Ihre Familie, Freunde und Kollegen darum auf Symptome zu achten, um rechtzeitige Gegenmaßnahmen einleiten zu können.

Ich freue mich, all diese Themen mit Ihnen anzugehen und zu lösen!

Mit sportlichen Grüßen Mazlum Demirci

Zwei Praxistipps zur Stressreduktion: